Koordinierungsstelle Umweltbildung Marzahn-Hellersdorf

Ziel der Koordinierungsstelle

„… Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, Lebensräume, Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten und deren genetische Ressourcen im Einklang mit der Fortentwicklung der Stadt zu erhalten.“ (SenUVK) Um dieses Ziel zu erreichen wurde die Strategie zu „Berlins biologischer Vielfalt“ 2012 von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beschlossen. Diese greift Teile der 2007 beschlossenen "Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt" auf und nimmt Bezug auf urbane Lebensräume. Die Strategie besteht aus vier Teilbereichen zu den Themen Arten und Lebensräume, Genetische Vielfalt, Urbane Vielfalt und Gesellschaft. Um die Strategie umzusetzen, wurden in diesen Bereichen 38 Ziele verfasst. Für die Koordinierungsstelle Umweltbildung Marzahn-Hellersdorf ist hierbei das Ziel 30 besonders relevant, denn es besagt:

„Berlin fördert Umweltbildungseinrichtungen (einschließlich der Waldschulen) und verankert das Thema "Biologische Vielfalt" in Umweltinformations-, Bildungs- und Erlebnisangeboten. Jede Grundschulklasse soll mindestens einmal jährlich eine Umweltbildungseinrichtung besuchen können.“(SenUVK)

In Marzahn-Hellersdorf soll dieses Ziel bis 2020 mit Hilfe einer Koordinierungsstelle für Umweltbildung, ausgeschrieben vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, erreicht werden. Die Auftragsvergabe erfolgte Mitte Mai 2019 an den Naturschutz Berlin-Malchow.

Aufgaben der Koordinierungsstelle

Um das genannte Ziel zu erreichen, ist es wichtig den aktuellen Stand von Umweltbildungsveranstaltungen in den Schulen zu kennen. Da für den Verein Naturschutz Berlin-Malchow Umweltbildung nur im schulischen Kontext nicht ausreichend ist, wurden im Rahmen der Koordinierungsstelle die Kitas ebenfalls mit in die Analyse einbezogen, um auch hier eine jährliche Veranstaltung pro Kitagruppe realisieren zu können.

Neben der Evaluation von Umweltbildung in den Schulen und Kitas, soll auf der anderen Seite auch das Angebot durch Umweltbildungseinrichtungen, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, sowie die Ansiedlung von Umweltbildungsthemen in der Verwaltung analysiert werden. Des Weiteren werden die im Bezirk zur Verfügung stehenden Freiflächen ermittelt und auf ihre Eignung für Umweltbildung geprüft.

Nach Abschluss der Evaluationsphase soll eine Strategie entwickelt werden, welche dazu beiträgt, die aufgezeigten Defizite oder Überangebote auszugleichen. Die Vernetzung der verschiedenen Akteure mit den Bildungseinrichtungen, sowie vermehrte Öffentlichkeitsarbeit sollen dazu beitragen, entsprechende Lücken zu schließen und 2020 eine flächendeckende Umweltbildung für junge Menschen zu realisieren. Die Koordinierungsstelle stellt zum Ende der Evaluation eine Übersicht für Drittmittel zur Verfügung, welche für Umweltbildung durch die verschiedenen Beteiligten genutzt werden können.

Grundlagen der Arbeit der Koordinierungsstelle Umweltbildung Marzahn-Hellersdorf

Marzahn-Hellersdorf ist mit seinen zahlreichen Parks, Schutzgebieten und Grünzügen, der berliner Bezirk mit der meisten und vielleicht auch schönsten Stadtnatur. Das liefert ideale Räume um Kinder für ihre Umwelt zu begeistern und zu sensibilisieren. Durch Umweltbildung lernen Kinder aber auch Erwachsene besser die Auswirkungen des eigenen Handelns auf ihre direkte und auch die weiter entfernte Umgebung abzuschätzen. In der heutigen Zeit nehmen digitale und naturarme Räume immer mehr Platz in unserem Alltag ein. Allein schon deshalb ist es wichtig dazu einen Ausgleich zu schaffen, der den Blick weitet. Wie genau es um die Möglichkeiten dazu in Marzahn-Hellersdorf steht und wie Umweltbildung ausgebaut und verbessert werden kann, hat die Koordinierungsstelle für Umweltbildung im Jahr 2019 und zu Beginn 2020 ermittelt. Dazu wurden 78 Vertreter*innen von Bildungseinrichtungen, Umweltbildner*innen und Akteure in der Jugendarbeit befragt. Ebenso wurde das bezirkliche Stadtgrün einer Prüfung auf Umweltbildungsfreundlichkeit unterzogen. Der, aus diesen Befragungen entstandene, Bericht konnte nun, nach einigen Verzögerungen, vorgestellt werden.

Am 30.09.2020 wurde ein Fachbericht zur aktuellen Lage der Umweltbildung in Marzahn-Hellersdorf von der Koordinierungsstelle für Umweltbildung, Herr Tom Hennig und der Geschäftsführerin von Naturschutz Berlin Malchow, Frau Beate Kitzmann vorgestellt. Hierzu trafen sich Akteure aus dem Umwelt- und Naturschutz, der Umweltbildung, Journalisten und Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Verkehr, Klima und Lokale Agenda im Bezirklichen Informationszentrum. Leider war die Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen, Frau Nadja Zivkovic krankheitsbedingt verhindert. Wir möchten uns deshalb hier bei Frau Kristine Odefey, der Leiterin des Umwelt- und Naturschutzamtes Marzahn-Hellersdorf bedanken, die kurzfristig Zeit fand, uns vor Ort zu unterstützen.

Von besonderem Interesse für die Teilnehmer*innen waren die Räume für Umweltbildung. Besonders stolz kann der Bezirk und seine Vertreter*innen hier auf den Naturerfahrungsraum am Kienberg sein, einer der wenigen naturbelassenen Waldflächen in Berlin. Kinder brauchen, um Natur verstehen- und kennenzulernen, vielfältige Lebensräume und Ökosysteme in der Umgebung ihrer Schule und Kita. Dabei kam der Wunsch auf auch Schutzgebiete, die oftmals sehr ursprünglich sind, für Kindertagesstätten und Schulen zu öffnen. In der Diskussion waren alle begeistert von der Idee, dass Pädagog*innen durch Ausbau von Umweltbildungsräumen und Weiterbildungen und auch Räumen in der Unterrichtsplanung, die Möglichkeit bekommen selbst Umweltbildung in den Schulalltag einzubinden. Ein großer Hoffnungsträger ist dabei die zukünftige Gartenarbeitsschule und deren hervorragend qualifiziertes Personal.

Die Verteilung von Stadtgrün zwischen Siedlungsgebieten und mehr verdichteten Wohnräumen ist ebenfalls ein Punkt, der Sorge hervorgerufen hat. Hier wurde die Frage geäußert, ob im Bericht abzulesen ist, dass Kinder aus weniger bebauten Gebieten einen besseren Zugang zur Natur haben. Während sich eine konkrete Antwort auf diese Frage nicht aus den erfassten Daten ablesen lässt, wurde hier noch einmal die Qualität von Stadtgrün betont. Während feinsäuberlich gepflegte Gärten mit englischem Rasen ebenfalls grün sind, bieten sie im Bereich Umweltbildung kaum Ansatzpunkte, um Kindern einen Zugang zur Natur zu ermöglichen.

Die Teilnehmer*innen stellten mit Verwunderung fest, dass das Thema Mobilität für Schulen und Kindertagesstätten im Bereich Umweltbildung nahezu keine Rolle spielt und auch nur wenige Umweltbildungseinrichtungen Veranstaltungen zu diesem Thema anbieten. Mobilität wurde in der Diskussion als ein wichtiges Thema identifiziert, insbesondere auf die Zukunft der Mobilität in Zeiten des Klimawandels bezogen. Frau Beate Kitzmann gab hierbei zu bedenken, dass Verkehrserziehung im Allgemeinen von den Jugendverkehrsschulen übernommen wird. Hier ist Nachhaltigkeit zwar im pädagogischen Konzept verankert, jedoch nicht unbedingt Hauptaugenmerk der Lehrveranstaltungen. Daher kam hier der Wunsch auf, dass sowohl Umweltbildungseinrichtungen als auch Schulen und Kindertagesstätten diesem Thema in der Umweltbildung zukünftig eine größere Bedeutung beimessen sollen.

Es gab noch viele weitere interessante Denkanstöße, die in die zukünftige Arbeit der Koordinierungsstelle einfließen werden. Deshalb möchten wir uns als Veranstalter an dieser Stelle noch einmal bei allen Teilnehmer*innen für das große Interesse und die anregenden Diskussionen bedanken.

Untenstehend finden Sie die Präsentation vom 30.09.2020, sowie eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Fachberichts Umweltbildung Marzahn-Hellersdorf. Den Bericht selbst können Sie ebenfalls hier herunterladen.